Erfahrungsbericht Elefant
ERFAHRUNGSBERICHT Elefant
1. Tag
Zahnarzt, Angst macht sich breit, Schweiß tritt aus allen Poren des Körpers, die Hautfarbe erblasst sehr schnell, die Muskeln..., sie rühren sich nicht mehr!
Ich schaffe es nicht den Autoschlüssel im Zündschloss herum zudrehen und das Auto zu starten, die Schmerzen werden aber immer stärker und ein Aufsuchen eines Zahnarztes ist absolut notwendig!
Was tun???
Keine Schmerztablette dieser Welt lindert die anhaltenden Schmerzen mehr, dann ein Lichtblick!
Ein Zahnarzt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat nur Phobiepatienten zu behandeln! So etwas kann es doch nicht geben?
Doch so etwas gibt es!
Also starte ich einen Versuch.
Als Beifahrer meiner Freundin fahren wir nach A.
An der Haustür steht Dr. P. M. Zahnarzt und Psychotherapeut, die Angst ist da! Der Schweiß tritt aus und das Herz rast, aber ich schaffe es die Treppen in den ersten Stock zu gehen und die Praxis zu betreten.
Der typische Zahnarztgeruch, der mich schon immer verrückt gemacht hat tritt mir in die Nase und ich merke wie meine Hände nass werden.
Dann, nach ca. 10 Minuten Wartezeit in einem sehr angenehmen Wartezimmer, sehr beruhigende Musik dringt aus den Lautsprechern, steht Dr. M. vor mir.
Er begrüßt mich mit sehr ruhiger Stimme und bittet mich eine Etage höher in ein sehr gemütliches Besprechungszimmer.
Ich nehme auf der bequemen Ledercouch platz und betrachte die schönen Bilder an den Wänden, dann spricht er mich erneut an, wie sich meine Angst äußere und woher sie komme, will er von mir wissen.
Ich erzähle ihm, dass ich als kleines Kind einen Zahn auf offener Strasse gezogen bekommen habe und dass ich mehrmals mit gebrochenem Arm bzw. gebrochenem Schlüsselbein im Ausland im Krankenhaus war.
Meine Hände sind nicht mehr so nass wie zu Beginn und mein Herz rast auch nicht mehr so, seine Stimme wirkt sehr beruhigend auf mich und ich merke, dass ich im Mittelpunkt stehe, dass tut gut!
Dr. M. erklärt mir, dass Ohnmacht eine Art von Flucht ist und das es besser sei, bei einem Arztbesuch das Ruder selber in der Hand zu halten und selber zu entscheiden was mit einem passiert und was nicht.
Ich muss schmunzeln, ich habe schon so oft zu einem Arzt gesagt, dass mir übel sei und dass mir schwarz vor Augen wird, aber das hat nie einen interessiert, wieso soll es ihn interessieren?
Er möchte, dass ich ihn in seinen Behandlungsraum begleite und mir mal alles anschaue, ich stimme dem zu nachdem er mir versichert das ich jederzeit gehen könne.
Also raus aus der bequemen Ledercouch und wieder eine Etage tiefer, die Hände werden wieder feucht und mein Herz beginnt wieder schneller zu schlagen.
Dann stehe ich im Behandlungszimmer, es sieht nicht anders aus, als die anderen Zahnarztzimmer, die ich bisher gesehen hatte, außer die beruhigende Musik die überall in der Praxis zu hören ist und sehr freundliche Helferinnen, die einem das Gefühl geben zu Hause zu sein.
Ich schaue mir den Raum genau an, meine Hände habe ich in der Hosentasche damit niemand sieht, wie das Wasser an ihnen herunter läuft, immer wieder drehe ich mich auf der Stelle, dann erklingt erneut die Stimme des Herrn Doktor, ob ich mich nicht einmal auf den Stuhl setzen möchte, ich zögere, will er mich jetzt doch sofort behandeln, hat er nicht gesagt ich darf entscheiden, was mit mir passiert?
Ich sage erst mal nein und schaue mich weiterhin im Raum um. Mich fasziniert der riesige CD-Player, er hat Platz für 200 CDs, nicht schlecht.
Dann stehe ich neben dem Behandlungsstuhl und setze mich auch darauf, mache die Armlehne herunter und schaue an die Decke, ich registriere die Lautsprecher in der Decke und vor mir steht eine wunderschöne große Pflanze.
Die Zahnarzthelferin fragt mich ob sie mir eine weiße Serviette umlegen darf und ich lasse es zu, zwischendurch achte ich auf meine Hände, sie sind immer noch feucht, aber nicht mehr nass, das verwundert mich, aber ich freue mich auch darüber. Normalerweise geht man in eine Praxis, legt sich auf den Stuhl wird gespritzt, behandelt und das war’s, neuen Termin geben lassen und auf Wiedersehen, hier ist das nicht so. Ich bin mittlerweile schon eine halbe Stunde in der Praxis und mir wurde noch nicht einmal übel, das muss ein gutes Zeichen sein.
Bisher durfte auch wirklich ich entscheiden was gemacht wird bzw. was ich machen will.
Dr. M. setzt sich neben mich auf seinen Hocker und schaltet die Lampe über dem Behandlungsstuhl ein, eine seiner Mitarbeiterinnen zeigt mir sofort wie ich die Lampe verstellen kann, falls sie mich zu sehr blendet, weist mich jedoch auch daraufhin, dass während der Behandlung das Licht notwendig ist, aber es dann auch nicht so blendet da der Doktor mit seinem Kopf dazwischen sei.
Ich nehme die Lampe und drehe sie so, dass sie mir nicht direkt in die Augen scheint und niemand hindert mich daran.
Nun möchte Dr. M. mir in den Mund schauen, die Hände werden sofort wieder feucht und ein flaues Gefühl im Magen macht sich bemerkbar, ich teile ihm das sofort mit und er bezeichnet es als den Elephanten, der nun versucht alles kaputt zu trampeln.
Wenn dieser Elephant sich meldet, dann solle ich nur die Hand heben und ich könne raus aus dem Stuhl, raus aus der Praxis. Wir könnten dann sogar die Behandlung abbrechen und beim nächsten Termin erst weiter machen - Wie die Behandlung abbrechen, beim nächsten Termin weitermachen??
Ja, ich entscheide was gemacht wird und wie lange etwas gemacht wird, das ist faszinierend!
In der Hand des Zahnarztes liegt ein Spiegel, ich öffne weit meinen Mund und lass den Doktor hinein schauen, er wirft mit Fachwörtern um sich und eine Angestellte schreibt mit.
Es tut nicht weh und die Hände sind auch nicht mehr feucht.
Dr. M. nimmt den Spiegel aus meinem Mund und bittet mich meinen Mund auszuspülen, ich tue es. Dann möchte er ein Röntgenbild machen, damit er sieht was zu retten ist und wie die weitere Behandlung aussehen kann bzw. soll.
Ich folge einer Zahnarzthelferin in den Gang und bekomme dort eine Bleischürze angelegt, damit die Strahlen mich nicht am ganzen Körper treffen, sie lässt mich Platz nehmen und schiebt mir eine kleine Metallplatte in den Mund, jetzt kurz ruhig sitzen bis das Gerät einmal um meinen Kopf gefahren ist und fertig.
Erneut nehme ich auf dem Behandlungsstuhl Platz und Dr. M. fragt mich, ob er im Unterkiefer Zahnstein entfernen dürfe?
Zahnstein entfernen?
Das kenne ich nur von Leuten mit guten Zähnen.
Ich öffne meinen Mund und lasse diese Behandlung auf mich zu kommen.
Das Geräusch, welches durch das Gerät erzeugt wird klingt nicht sehr viel versprechend, aber das Gefühl an den Zähnen ist lustig, es kitzelt, an einigen Stellen ist es etwas unangenehm, aber es erzeugt keine Schmerzen.
Als Dr. M. mit der Behandlung fertig ist, fahre ich mit meiner Zunge an den Zähnen meines Unterkiefers entlang und das Gefühl, das ich dort verspüre, ist sehr angenehm.
Es dauert ca. 5 Minuten bis ich wieder in das Besprechungszimmer eine Etage höher gebeten werde.
Dr. M. zeigt mir das Röntgenbild und erläutert mi,r was man alles machen müsste, jetzt kommt der Elefant und ich hebe die Hand, mir ist schwindelig, Übelkeit macht sich in meinem Körper breit, allein der Gedanke daran, was alles noch passieren wird ruft Panik in mir vor, ich muss hier raus.
Ich verabschiede mich und verlasse den Raum und das Haus.
Auf dem Parkplatz angekommen setze ich mich auf eine Mauer und atme tief durch, ich laufe herum und versuche meinen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen, eine Zigarette erleichtert dies ungemein, dann kommt meine Freundin dazu, sie hat einen neuen Termin gemacht und redet mit ruhiger Stimme auf mich ein.
Sie ist stolz auf mich, denn ich habe sehr viel geleistet.
Auf der Heimfahrt nutze ich die komplette Stunde um das Geschehene zu reflektieren und ich stelle fest, dass ich nie so lange bei einem Zahnarzt ausgehalten habe.
Nun macht sich auch bei mir etwas Stolz breit.
Zu Hause angekommen merke ich, dass ich müde bin, dieser Besuch hat sehr viel Kraft gekostet, aber ich entscheide mich den nächsten Termin erneut wahr zunehmen.
2. Tag
Erneut setze ich mich ins Auto, dieses Mal aber nicht als Beifahrer, ich fahre selber und alleine.
Als ich die Autobahn verlasse, merke ich wie meine Hände feucht werden, aber es ist kein Elefant in Sicht.
Ich stelle mein Auto auf dem Parkplatz ab, drücke auf die Klingel und gehe in die Praxis in der 1. Etage.
Ich werde sehr freundlich begrüßt und nach meinem Befinden gefragt, ich teile der Zahnarzthelferin mit, dass meine Hände feucht sind, dass ich aber bereit bin etwas daran zu ändern.
Sie bittet mich noch einen Augenblick im Wartezimmer Platz zu nehmen, wieder dringt diese beruhigende Musik an meine Ohren.
Im Wartezimmer sitzt noch ein Patient sonst niemand, ich bin verwundert, aber mache mir darüber keine weiteren Gedanken sondern laufe ans Fernster und schaue hinaus.
Eine Arzthelferin betritt das Wartezimmer und bittet mich mit zu kommen, ich folge ihr in das bekannte Behandlungszimmer und setze mich auf den Behandlungsstuhl.
Ich bekomme wieder eine Serviette umgelegt und ziehe die Armlehne nach unten. Auf einem Tablett vor mir steht eine Flasche mit Eisspray und eine Box mit weißen Tupfern, die Arzthelferin legt einen Spiegel und einen beängstigenden Haken dazu, die beiden Utensilien betrachte ich mir genauer, dann öffnet sich die Tür hinter mir und die angenehme und bekannte Stimme von Dr. M. ertönt in meinen Ohren in Form eines „Guten Tag“.
Nun merke ich wie meine Hände wieder feucht werden, erst versuche ich dagegen anzukämpfen, dann aber erinnert mich Dr. M. an die Absprachen bei der letzten Behandlung, ich entscheide, was gemacht wird und ich entscheide wie lange etwas gemacht wird, ich entspanne mich!
Ich versuche mich zu entspannen und öffne nach einer Aufforderung den Mund.
Der Zahnarzt schaut sich gemeinsam mit seiner Angestellten darin um, kratzt hier ein wenig, klopft da ein wenig und dann fragt er mich ob wir heute gemeinsam anfangen etwas gegen meine schlechten Zahne zu tun?
Erst überlege ich, aber dann antworte ich ihm mit ja und er beginnt mir zu erklären was er mit mir vor hat, Amalgam entfernen steht heute auf dem Programm und das erfolgt mit dem Bohrer und dem Sauger.
Meine Muskeln spannen sich in Windeseile an und das Wasser schießt nur so aus meinen Händen und meiner Stirn, ich denke an den Satz der ersten Behandlung: „Sie entscheiden, was gemacht wird und wann wir es machen und wenn der Elefant auftaucht heben sie die Hand und gehen einfach raus, wir haben Zeit“.
Ich hebe die Hand, die Arzthelferin entfernt die Serviette um meinen Hals und ich verlasse die Praxis, ohne dass mir jemand böse ist.
Nach ca. 10 Minuten sitze ich wieder auf dem Behandlungsstuhl, habe die Serviette wieder um meinen Hals und öffne meinen Mund.
Das Geräusch des Saugers dröhnt in meinen Ohren und dann kommt auch noch das des Bohrers hinzu.
Langsam merke ich wie der Bohrer an einem meiner Zähne rubbelt und das Amalgam und die Unmengen an Speichel von dem Sauger aus meinem Mund entfernt werden, Schmerzen habe ich keine, aber meine Muskeln versuchen mit aller Kraft meinen Arm dazu zu bewegen das Zeichen der Aufgabe zu zeigen.
Der erste Zahn ist fertig, ein komisches Gefühl, meine Zunge muss laufend an ihm herum spielen, bis der Bohrer sein nächstes Opfer gefunden hat, den Nachbarzahn.
Und wieder das gleiche Spiel, meine Muskeln entspannen sich langsam und der Wasseraustritt aus meinen Händen hat auch nachgelassen.
Nach dem dritten Zahn füllt Dr. M. die vorhandenen Löcher mit einer Kunststoffmasse, lässt mich den Mund ausspülen und beendet die Behandlung mit: „Sie haben heute sehr viel geleistet und einen großen Schritt gemacht!“
Ich bin so Stolz auf mich, lasse mir an der Anmeldung dieses Mal nicht nur einen neuen Termin, nein gleich vier neue Termine geben und verlasse die Praxis.
Im Auto angekommen, betrachte ich das heute Erreichte im Kosmetikspiegel, eine Träne läuft über meine Backe am liebsten würde ich Freude tanzen oder schreien, es sieht richtig gut aus.
Abends zu Hause stelle ich fest, dass ich wieder ziemlich müde bin und meine Nackenmuskulatur bei der kleinsten Bewegung schmerzt, ich lege mich ins Bett und nehme mir vor bei der nächsten Behandlung diese Schmerzen anzusprechen.
3. Tag
Es ist wahnsinnig heiß.
Jeder normale Mensch würde sich an den Baggersee legen, aber ich setze mich in mein Auto und fahre zum dritten Mal nach A.
Auf der Fahrt überlege ich mir, was wohl heute passieren wird, dass Amalgam ist entfernt??
Am besten lasse ich es auf mich zukommen, immerhin kann ich jederzeit die Hand heben und die Praxis verlassen.
In der Praxis angekommen, darf ich mich sofort auf den mir bekannten Behandlungsstuhl setzen.
Dr. M. lässt heute auch nicht lange auf sich warten, wieder bekomme ich die Serviette umgelegt und erfahre, dass er heute meiner Freundin gerne einen Gefallen tun möchte.
Ich schaue ihn verwundert an, was hat meine Freundin mit ihm am Hut??
Er zeigt mir auf meinem Röntgenbild eine Zahnlücke und erklärt mir, dass der weiße Strich darüber eine Wurzelfüllung sei, diese würde er gerne entfernen, eine Titanschraube hinein drehen und dann einen Zahn darum formen damit diese Lücke geschlossen sei.
Wie, in den Oberkiefer bohren, eine Schraube hinein drehen, aua das klingt nach Schmerzen.
Erneut werden meine Hände nass und meine Muskeln melden sich auch wieder, meine Hand hebt sich, die Zahnarzthelferin entfernt die Serviette um meinen Hals und ich verlasse die Praxis.
Auf dem Parkplatz bei einer Zigarette trampelt der Elefant wie wild in meinem Bauch herum, ich versuche ganz ruhig zu atmen und ihn damit zu beruhigen und es gelingt mir.
Nach einer viertel Stunde sitze ich wieder ruhig auf dem Behandlungsstuhl und öffne meinen Mund.
Das Licht über dem Stuhl scheint mir ins Gesicht, dann schiebt Dr. M. seinen Kopf zwischen mich und die Lampe, das Brummen des Bohrers dringt an meine Ohren und ich spüre seine Umdrehungen in meinem Körper, als er langsam die Wurzelfüllung entfernt.
Es dauert nicht lange und das Bohrgeräusch erlischt.
Sofort wandert meine Zunge an die behandelnde Stelle, komisches Gefühl, ein Loch aber keinerlei Schmerzen und kein Elefant, der versucht mich nieder zu trampeln.
Dr. M. zeigt mir eine winzige Schraube und erklärt mir, dass er diese nun in die gebohrte Öffnung drehen wird, danach muss er sie evtl. noch zurecht schleifen, da es sein kann das sie zu hoch ist. Wenn dies geschehen ist, wird er die Schraube richtig einsetzen, mit einer Art Schraubenzieher fest ziehen und dann einen Zahn drum herum formen.
Das klingt für mich nach einer mehrstündigen Sitzung, aber der Schweißausbruch und der Elefant melden sich nicht zu Wort, dass ist sehr positiv, also packen wir es an!
Ich spüre die Drehbewegungen der Schraube in meinem Kiefer, ich schließe den Mund und muss gemeinsam mit Dr. M. feststellen, dass die Schraube zu lang ist.
Er versucht zuerst die Schraube noch weiter hinein zudrehen, als dies jedoch nicht geht beginnt er diese abzuschleifen.
Ich bin ehrlich: Das ist ein wahnsinnig unangenehmes Gefühl, meiner ganzer Kopf vibriert, es ist schrecklich, aber auch diesmal meldet sich mein Elefant nicht.
Erneut schließe ich den Mund und die Schraube sitzt und passt wie angegossen.
So, nun kommt diese Masse drum herum und der neue Zahn wird geformt.
Dann öffne ich meine Augen, spüle meinen Mund aus und bekomme von der netten Zahnarzthelferin einen Spiegel vorgehalten.
Langsam hebe ich ihn vor mein Gesicht, ich bin etwas blass, aber kein Elefant und keine nassen Hände.
Ich öffne meinen Mund und vermisse sofort diese hässliche Lücke, an dieser Stelle sitzt nun ein Zahn, ein Zahn!!!!
Mir läuft eine Träne über die Wange, ich bin Stolz und dieser Stolz wird mir von Dr. M. und seinen Angestellten wieder gegeben.
Die Behandlung ist zu Ende und ich kann gehen.
Ohne größere Pause setze ich mein Auto in Gang und fahre nach Hause.
Dieses Mal benötige ich keinen sofortigen Schlaf, ich fühle mich fit und präsentiere Stolz allen meinen neuen Besitz.
4. Tag
Eine neue Zahnarzthelferin begrüßt mich heute, ich kenne sie noch nicht, aber sie macht sofort einen sympathischen Eindruck auf mich, wie alle anderen auch.
Ich nehme im Wartezimmer platz und höre die Stimme des Zahnarztes, er diskutiert, aber ich kann nicht verstehen, um was geht.
Als ich mich in das Behandlungszimmer begebe, bekomme ich mehr von der Diskussion mit, es geht um die Neugestaltung der Praxisräume.
Ich werde dieses mal in ein anderes Zimmer gesetzt und frage sofort bei der neuen Zahnarzthelferin, nach warum ich dieses mal hier behandelt werde, sie antwortet nicht, verlässt das Zimmer, kommt zurück und bittet mich, mit ihr mit zukommen.
Ich folge ihr und finde mich in meinem mir bekannten Behandlungszimmer wieder, sofort fühle ich mich wohl, lasse mir die Serviette um den Hals legen und warte der Dinge die heute auf mich zu kommen werden.
Dr. M. betritt das Zimmer, begrüßt mich und sieht sich als zuerst das Kunstwerk der letzten Behandlung an, er ist sehr zufrieden damit.
Dann erklärt er mir wie er heute weiter machen möchte, Zähnebeschleifen im Unterkiefer steht heute auf dem Programm sowie Abdrücke nehmen, von denen dann die Brücken und Kronen gefertigt werden.
Er bittet mich darum, ihm zu sagen wenn Schmerzen auftreten, damit er diese mit einer Spritze unterbinden kann.
Spritze, meine Hand hebt sich sofort nach oben, die Armlehne des Stuhles schnellt nach oben und ich bin in null Komma nichts aus der Praxis verschwunden.
Der Elefant in meinem Bauch ist zu seiner Herde zurück gekehrt und diese Herde trampelt nun auf mir herum, der Schweiß auf meiner Stirn lässt sich durch bloßes Weg wischen nicht entfernen, hier Bedarf es nun mehrerer Handtücher und meine Hände werden durch Abreiben an meiner Jeans auch nicht besser. Spritze hat er gesagt, dieses Wort ist der Abschuss gewesen, ich habe bisher in jeder Behandlung damit gerechnet, aber nie war sie notwendig und jetzt liegt es an mir, ob er sie verwendet oder nicht.
Es ist wahnsinnig heiß, meine Elefantenherde bewegt sich noch immer, ich versuche an den Baggersee zu denken, an dem ich jetzt liegen könnte bzw. später liegen werde, wenn die Behandlung vorbei ist und ich wieder zu Hause bin.
Soll ich hoch gehen und sagen, dass ich jetzt lieber die Behandlung abrechen möchte und nach Hause fahren will??
Nein, ich steige die Treppen in den ersten Stock hoch und begebe mich wieder in mein Behandlungszimmer.
Zuerst passt mir eine Zahnarzthelferin einen Metallöffel im Mund an, dieser wird mit einer Masse gefüllt die ich dann in den Mund bekomme und darauf beißen muß damit ein Abdruck entsteht.
Dieser Abdruck wird an ein Zahntechniklabor geschickt und dort werden dann die Kronen und Brücken gefertigt.
Das Zeug riecht gut und schmeckt lecker, nur das lange Zubeißen ist anstrengend, aber es geht vorbei, Mund auf, Abdruck raus, ausspülen und fertig.
Kurze Zeit später sitzt Dr. M. neben mir, ich öffne meinen Mund und nehme das Geräusch des Bohrers wahr.
Ich spüre ein leichtes Kribbeln im Kopf. Dr. M. erklärt mir, dass es unterschiedlich stark ist, je nachdem ob ich meine Augen offen habe oder geschlossen.
Sofort behalte ich die Augen offen und stelle fest, dass es dann wirklich nicht so schlimm ist wie mit geschlossenen Augen, aber das Wasser des Bohrers spritzt mir laufend in die Augen also Augen wieder zu und das Geräusch wird sofort lauter und das Kribbeln sofort stärker.
Aua, das tat weh.
Ich hebe sofort meine Hand bleibe aber auf dem Stuhl liegen.
Dr. M. erklärt mir, wieso dieser Schmerz da war und das er an dieser Stelle gerne eine Betäubung verwenden würde.
Betäubung, das heißt Spritze, ich kann doch jetzt nicht abbrechen, es ist nur noch dieser eine Zahn, o.k. spritzen wir.
Dr. Macher bittet seine Helferin eine Spritze aufzuziehen, lässt mich den Mund öffnen und bittet mich die Zähne zusammen zu beißen, ich folge seinen Forderungen, meine Muskeln sind hart wie Stahl, mein T-Shirt weist Schweißflecken auf, meine Hände sind nass, als hätte ich sie eben in ein Becken mit Wasser getaucht.
Da ist dieser Piecks gewesen, jetzt kommt dieser bittere Geschmack, ausspülen, fertig, jetzt dauert es kurz bis die Spritze wirkt.
Ein Babyelefant läuft durch meinen Bauch, meine Hände fühlen sich an als hätte ich sie eben mit einem Erfrischungstuch gereinigt.
Erneut macht sich ein Gefühl von Stolz in mir breit, normalerweise war spätestens an dieser Stelle jede Zahnarztbehandlung für mich beendet: Kollabieren, Aufwachen und die Praxis verlassen mit den Worten in den Ohren, ich könne wieder kommen, wenn ich meine Angst überwunden hätte.
Heute gehe ich nicht und ich wache auch nicht aus einer Ohnmacht auf, ich liege auf dem Behandlungsstuhl, nun schon fast eine Stunde, und warte darauf, dass mein Zahnarzt die Behandlung fortsetzt.
Dr. M. betritt das Behandlungszimmer, setzt sich auf den Stuhl neben mich und fragt mich nach meinem Befinden, ich antworte ihm und öffne wieder meinen Mund.
Das Geräusch des Bohrers ertönt wieder in meinen Ohren und das Kribbeln an den Zähnen ist nicht mehr zu spüren, aber es ist immer noch ein leichter Schmerz da, Hand heben, Behandlung unterbrechen und sagen was ist.
Dr. M. lässt sich erneut eine Spritze aufziehen, dieses Mal aber nicht eine ,wie ich sie kenne, nein eine andere, bei dieser hebt er die Öffnung an das Zahnfleisch, drückt dann immer wieder auf einen Knopf und so schiebt sich die Nadel immer tiefer in mein Zahnfleisch.
Ich spüre keinen Piecks, nur der bittere Geschmack kommt wieder.
Dieses Mal wartet Dr. Macher nicht so lange mit der Weiterbehandlung, das Bohrgeräusch ertönt wieder und ich höre nach 1-2 Minuten die Worte „fertig“ in meinen Ohren.
Ich schaue den Zahnarzt an und versuche mit meiner Zunge an den Zähnen entlang zu fahren, aber das ist sehr unangenehm und ich äußere dies auch.
Dr. M. erklärt mir an einem Zahnmodell, dass die Zähne nun durch das Abschleifen wesentlich empfindlicher sind und er sie bis zum Eintreffen der richtigen Brücken und Kronen mit Provisorien abdecken wird.
Ich solle versuchen, bis die Provisorien angelegt sind, keine Luft durch den Mund einzuatmen und nicht mit meiner Zunge an den Zähnen spielen.
Es dauert ziemlich lange, bis eine Zahnarzthelferin wieder zu mir ins Behandlungszimmer kommt, sie zeigt mir die Metallprovisorien und passt diese den Zähnen an, an dem einen oder anderen muss sie noch etwas abschleifen, andere sitzen sofort so wie sie sollen.
Die Provisorien sehen lustig aus, kleine Metallhülsen die einfach über die abgeschliffenen Zähne geschoben werden.
Mittlerweile sind 2 1/2 Stunden vergangen, die Behandlung ist beendet und Dr. M. ist sehr stolz auf mich, eine super Leistung, ein sehr großer Schritt gegen meine Angst, so bezeichnet er das heute von mir Geleistete.
Ich verlasse die Praxis und fahre nach Hause.
Auf dem Heimweg denke ich nur an die nächste Behandlung, da kommen die Zähne im Oberkiefer dran, die Spannung steigt in mir, mein Elefantenbaby läuft in meinem Bauch auf und ab.
5. Tag
Eine Zahnarzthelferin begrüßt mich und bittet mich sofort ins Behandlungszimmer.
Hallo, das ist nicht das in dem ich sonst bin?!
Irgendwie hab ich mich so sehr an dieses eine Behandlungszimmer gewöhnt und nun soll ich in ein anderes, dass geht doch nicht?
Nach 2 Minuten kommt die Zahnarzthelferin mit einem anderen Patienten zu mir und bittet mich erneut in ein anderes Behandlungszimmer, besser gesagt in mein Behandlungszimmer.
Sofort fühle ich mich besser, diese gewohnte Umgebung strahlt eine gewisse Ruhe aus, sehr angenehm.
Dr. M. betritt das Zimmer begrüßt mich und findet, dass ich ziemlich cool und gelassen auf dem Stuhl liege, so als sei es selbstverständlich hier zu sein und als ob ich noch nie Probleme damit gehabt hätte.
Ich öffne meinen Mund und er begutachtet die Arbeit der letzten Behandlung, er ist sehr zufrieden damit.
Nun holt er einen Abdruck vor, auf dem die für meinen Unterkiefer angefertigten Kronen und Brücken sitzen.
Sofort habe ich Bilder vor meinen Augen, wie gut ich wohl damit aussehen werde?
Vorsichtig entfernt eine der Zahnarzthelferinnen die Provisorien, dieser bekannte Schmerz taucht sofort wieder auf und weckt den Babyelefanten in meinem Bauch, dieser verhält sich jedoch ziemlich ruhig.
Dann setzt sie die richtigen Kronen und Brücken auf die abgeschliffenen Zähne und zeigt sie mir mit einem Spiegel.
Wunderbar, super, es sieht so perfekt aus.
Dr. M. kommt wieder in das Zimmer, als die Zahnarzthelferin die echten Brücken und Kronen wieder aus meinem Mund entfernt hat und meint, dass nun alles schnell gehen muss.
Ich schaue ihn an, wieso muss nun alles schnell gehen? Die ganze Zeit war es egal wie lange eine Behandlung gedauert hat und nun muss plötzlich alles schnell gehen?!
Er erklärt mir, dass er die echten Brücken und Kronen nun einzementieren wird und das diese Art von Zement sehr schnell trocknet und nur deshalb muss alles schnell gehen und perfekt sein.
Na dann ist ja alles gut.
Die Zahnarzthelferin hantiert hinter meinem Rücken mit irgendwelchen Materialien und rührt den Zement an, Dr. M. ist in dieser Zeit damit beschäftigt meine Zähne trocken zu halten, sie dürfen beim Einsetzen nicht feucht sein.
Leider weckt dieses trocken halten das Elefantenbaby in meinem Bauch, der Schmerz an den abgeschliffenen Zähnen ist stark und kaum auszuhalten.
Wollen sie eine Spritze, dringt es aus Dr. M. Mund, dann sind die Schmerzen nicht so stark?
Nein Danke, antworte ich ihm, ich halte das schon aus und danach können wir ja eine kurze Pause machen.
Dr. M. bläst immer wieder meine Zähne mit Luft trocken, dieses trocken blasen verursacht die Schmerzen, aber ich halte durch.
Dann hält er die erste Krone in seiner Hand, setzt diese ein, dann die zweite und so weiter und so weiter, als er alles eingesetzt hat, legt er mir links und rechts Watterollen auf den Unterkiefer und bittet mich fest und lange zu zubeißen, mindestens 5 Minuten, dann ist der Zement getrocknet und alles ist o.k.!
Also fest zu beißen, dass ist anstrengend, aber ich halte durch und als ich das Ergebnis im Spiegel betrachten darf, werde ich durch den Anblick, der sich mir zeigt belohnt, es hat sich gelohnt diese Prozedur durchzustehen.
Nach einer kurzen Pause möchte Dr. M. damit beginnen die Zähne im Oberkiefer abzuschleifen und mit Provisorien zu versehen.
Ich bin damit einverstanden und öffne meinen Mund weit, damit er auch ja gut an die Beißerchen dran kommt.
Wieder ertönt dieses grauenvolle Bohrergeräusch in meinen Ohren und ich vergleiche wieder den Unterschied mit offenen und mit geschlossenen Augen, es ist faszinierend wie groß dieser Unterschied ist und ich entscheide mich dafür die Augen offen zu halten.
Nach ca. einer halben Stunde setzt mir Dr. M. ein Provisorium über die im rechten Oberkiefer abgeschliffenen Zähne, der Zement schmeckt wahnsinnig bitter und das Gefühl dieses glatten Provisoriums erfreut mich.
Die Behandlung ist für heute beendet, Dr. M. erklärt mir noch, dass ich mit dem Provisorium aufpassen soll, Kaugummi und Karamellbonbons sind tödlich.
Ich verabschiede mich und verlasse die Praxis.
Auf der Fahrt nach Hause spielt meine Zunge nur an dem neu eingesetzten Provisorium und kurz vor der Haustür, genau 99 km von Dr. M. Praxis entfernt, passiert das Unglück, das Provisorium ist heraus gefallen, sofort kommen diese bekannten Schmerzen auf, ich erinnere mich an die Worte von Dr. M. durch was diese Schmerzen kommen, also versuche ich keine Luft an die Zähne zu lassen.
Ich greife zu meinem Handy und wähle die Nummer der Praxis, eine Zahnarzthelferin meldet sich mit sehr netter Stimme, ich kenne diese Stimme, melde mich mit meinem Namen und erzähle von meinem Missgeschick.
Sofort werde ich mit Dr. M. verbunden, er fragt mich wo ich momentan sei und bittet mich zurück zu kommen oder ich solle bei mir in der Nähe zu einem Zahnarzt fahren der sich auch auf Angstpatienten spezialisieren möchte und bei ihm Seminare besucht.
Ich überlege eine Weile, ich zu einem fremden Zahnarzt, eine Vorstellung die mir Angst macht und mein Elefantenbaby auf die Suche nach seiner Mutter macht.
Aber eine Woche lang mit diesen Schmerzen, nein, also ab zu einem fremden Zahnarzt, wenn dieser bei Dr. M. lernt, mit Angstpatienten zu arbeiten dann ist er sicherlich gut und ich kann ihm vertrauen.
3 Stunden später verlasse ich die Praxis von Dr. C. ich setze mich auf eine Parkbank und Versuche meine Elefantenherde zu beruhigen.
Die Behandlung war schrecklich, meine Handzeichen wurden nicht beachtet, die Zahnarzthelferinnen hatten keinerlei beruhigende Worte für mich übrig, ich kam mir vor wie am Fließband.
Nach ca. einer halben Stunde hat sich meine Elefantenherde wieder beruhigt und zurück gezogen, meine Hände lassen sich auch wieder trocken reiben und ich fahre nach Hause.
Dort angekommen falle ich ins Bett und werde erst morgens wieder wach.
Vielleicht war es wichtig diese Erfahrung zu machen, die Beziehung zwischen Zahnarzt und Patient ist einer der wichtigsten Bestandteile wenn man Angstpatient ist und die Beziehung zu diesem fremden Zahnarzt war nicht gut.
6. Tag
Bei Dr. M. in der Praxis angekommen erzähle ich erst ein mal von meinem Erlebnis bei einem fremden Zahnarzt.
Dr. M. beruhigt mich und schaut sich die Arbeit seines Kollegen an.
Die Arbeit ist nicht schlecht.
Er nimmt die Provisorien ab und passt die wieder bearbeiteten Kronen und Brücken erneut an.
Alles passt perfekt und sieht sehr gut aus.
Es dauert nicht lange, bis ich die Provisorien wieder in meinem Mund habe und die Behandlung wieder beendet ist.
So jetzt müssen die Wurzelreste im Oberkiefer und der eine Zahn raus, nur dann können wir weiter machen.
Dr. M. gibt mir die Adresse eines Kieferchirurgen in Neustadt.
Jetzt nur noch ein Termin und dann ist alles fertig.
Ich verlasse die Praxis in Richtung meines Autos, die Provisorien machen mir Angst, hoffentlich halten sie dieses mal, noch einmal möchte ich nicht zu einem anderen Zahnarzt gehen.
Ich fahre Richtung Heimat und mache mir Gedanken über die Behandlung beim Kieferchirurgen …. der Gedanke daran ist nicht schön, denn der macht nicht das, was ich die ganze Zeit mitgemacht habe.
Zu Hause angekommen, versuche ich den Kieferchirurgen zu erreichen, beim zweiten Anruf habe ich Erfolg…aber er hat keinen Termin frei in der nächsten Zeit, was nun?
Ich fahre bei einem anderen Kieferchirurgen vorbei, der hätte einen Termin frei, also nicht lange fackeln, Termin ausmachen und durch.
Der Arzt möchte sich die Sache gleich mal anschauen, ich warte, dann werde ich aufgerufen und gehe mit Elefanten im Bauch in das Behandlungszimmer und setze mich auf den Stuhl.
Ich kenne den Doktor, er hat mir vor Jahren mal unter Vollnarkose im Krankenhaus die Weißheitszähne entfernt.
Er kommt, sagt Guten Tag und schaut sich das ganze an, er sieht kein Problem möchte aber die Röntgenbilder haben.
Ich verlasse die Praxis mit einem Termin und rufe sofort bei Dr. M. an und bitte ihn die Röntgenbilder dorthin zu schicken.
Die Elefantenherde ist immer noch da.
Der Tag des Kieferchirurgen ist gekommen, ich betrete die Praxis und nehme im Wartezimmer platz.
Es dauert nicht lange bis ich aufgerufen werde.
Mit Elefanten im Bauch gehe ich in das Behandlungszimmer und setze mich auf den Stuhl.
Ich erzähle der Arzthelferin, dass ich Angst habe und immer die Hand heben soll wenn die Elefanten zu trampeln anfangen.
Sie bittet mich, das auch bei ihnen zu tun.
Der Arzt kommt, ein Guten Tag dringt aus seinem Mund, er bittet mich, den Mund aufzumachen und……gibt mir drei Spritzen!!
Mit einer Hundertschaft von Elefanten im Bauch schickt er mich noch mal ins Wartezimmer.
Ich kann nicht sitzen, die Herde in meinem Bauch macht mich verrückt.
Dann höre ich wieder meinen Namen, ich soll in OP 1 kommen!
OP das hört sich schon nicht gut an, aber ich reiße mich zusammen und versuche die Elefanten zu bändigen.
Das grelle Licht über dem Stuhl ist schlimmer als das bei Dr. M. in der Praxis, die Serviette um meinen Hals ist nicht weiß sondern blau und auch der Arzt und seine Arzthelferin haben blaue Bekleidung an.
Dieses trampeln der Elefanten wird schneller und starker, die Arzthelferin legt mir ein blaues Tuch über mein Gesicht, nur am Mund ist eine Öffnung.
Ich mache langsam den Mund auf und merke noch einen kurzen Picks, dann ein Ziehen und Zerren.
Eine warme Flüssigkeit läuft in meinen Mund, den Geschmack kenne ich, Blut!
Dann höre ich noch wie der Arzt einen Faden verlangt, wieder spüre ich ein Ziehen.
Dann nimmt die Arzthelferin das Tuch von meinem Gesicht.
Meine Zunge wandert durch meinen Mund, laufend berührt sie die Stellen wo vorhin noch die Wurzelreste im Zahnfleisch waren, ich spüre nichts, fast nichts, die Fäden merke ich.
An der Anmeldung bekomme ich für den nächsten Tag einen Termin zur Nachsicht und den Tipp nur Kamillentee zu trinken und den Mund damit auszuspülen.
Ich verlasse die Praxis, die Elefantenherde ist nicht da, ein gutes Gefühl.
7. Tag
Dr. M. möchte wissen wie es beim Kieferchirurgen war.
Ich erzähle ihm kurz, dann gehen wir aber gemeinsam wieder an die Arbeit.
Ich fühle mich sicher und bin wahnsinnig gespannt, denn meine Prothese ist da und ich kann es kaum erwarten mich damit im Spiegel zu betrachten.
Langsam entfernt Dr. M. die Provisorien aus meinem Mund.
Dieses komische Gefühl, wenn nun Luft an die Zähne kommt ist auch wieder da, aber…nicht lange.
Dr. M. passt die Kronen an und erklärt mir, dass er diese nun einsetzen wird und das dies sehr schnell gehen muss.
Damit habe ich kein Problem, ich bin sehr unruhig, denn heute ist sozusagen die letzte Sitzung.
Immer wieder nimmt Dr. M. die Kronen raus, setzt sie wieder ein, nimmt sie wieder raus usw. usw.
Dann bittet er seine Arzthelferin, ihm beim Einsetzen zu helfen, er streicht eine Masse auf die Kronen, ich suche eine Möglichkeit ihm zu zusehen, dann spüre ich einen Druck, der Kleber schmeckt ekelig, aber das geht vorbei.
Fertig, jetzt fest zu beißen und erst nach Aufforderung aufmachen, das sind die Worte von Dr. M., bevor er das Behandlungszimmer verlässt.
Ich beiße wie ein Verrückter zu, mit der Zeit spüre ich meine Kiefermuskulatur, sie tut weh, aber da muss ich nun durch, sagt mir die Arzthelferin.
Ich schließe meine Augen und versuche an etwas anderes zu denken, aber es geht nicht.
Meine Blicke schweifen durch das Zimmer, vielleicht entdecken sie ja etwas neues, etwas was mir in den ganzen Stunden die ich in diesem Raum verbracht habe noch nicht bzw. noch nie aufgefallen ist, aber negativ, alles ist so wie immer.
Dann kommt Dr. M. wieder, er bittet mich den Mund zu öffnen, ist ganz schön schwer nach dem langen Zubeißen.
Er nimmt seinen Spiegel und schaut mir in den Mund, dann gibt er mir einen Spiegel…ich trau mich erst gar nicht hinein zusehen, aber als ich dann das Ergebnis sehe….ich bin fasziniert, jetzt noch die Prothese…!!
Wahnsinn, es ist ein super Anblick, ich kann es kaum fassen, ich habe es geschafft, ich bin den Tränen nahe.
Auch Dr. M. und seine Angestellten sind stolz, auf mich, natürlich auch auf ihre Arbeit, aber ich habe mitgemacht und das war oberste Priorität, den ohne mich…wäre es nie zu diesem Ergebnis gekommen.
Dr. M. zeigt mir noch wie ich die Prothese heraus nehmen kann und wie man sie wieder einsetzt, ebenso erklärt er mir wie man sie reinigt.
Die Behandlung ist beendet, es ist kurz vor Weihnachten und…ich habe mir mein schönstes Geschenk selber gemacht.
Ich überreiche dem Praxisteam eine Flasche Sekt, als Weihnachtsgeschenk oder als Dankeschön? Als Weihnachtsgeschenk, denn als Dankeschön wäre sie zu wenig……
Was dieses Team geleistet hat sucht seines Gleichen.
Ich bedanke mich bei allen Angestellten der Praxis Dr. M.
Sie waren alle sehr lieb und haben sich immer sehr gut um mich gekümmert.
Und wie in diesem Bericht auch schon geschildert, haben sie es geschafft, dass ich nach kürzester Zeit ohne Angst, ohne Elefantenherde im Bauch zu ihnen gekommen bin.
Ich kann jeden nur ermutigen, wenn man diese Elefantenherde im Bauch hat und sich wirklich nicht mehr traut, morgens in den Spiegel zusehen und auch nicht mehr lachen kann…Dr. M. und sein Team ist Spitze und schafft es, jede Elefantenherde zu bändigen…klar man muss schon bereit sein mitzuhelfen, aber wenn man mal merkt wie das Team hinter einem steht fällt die Mitarbeit sehr leicht.
Das wichtigste war für mich, dass ich das Ruder in der Hand hatte und sagen konnte wenn es zuviel wird.
Das Vertrauen zu diesem Team hat auch sehr viel dazu beigetragen.
Danke an alle

